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Gehirn vor der Parkinsondiagnose

Verstehen und Nutzen: Auf der Suche nach Veränderungen und Kompensationsmechanismen im Gehirn vor der Parkinsondiagnose;

Forschung von:

  • Daniela Berg und Walter Maetzler; Zentrum für Neurologie, Abteilung Neurodegeneration, Hertie-Institut für klinische Hirnforschung und Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), Tübingen, Deutschland
  • Bastiaan R. Bloem; Radboud University Nijmegen Medical Center, Nijmegen, The Netherlands
  • Ivan Tony: Donders Institute, Radboud University Nijmegen, Nijmegen, The Netherlands

Die klinische Diagnose „Parkinsonerkrankung“ beruht auf der Beobachtung von verlangsamter Bewegung, in Kombination mit zumindest eines der folgenden Symptome: Muskelsteifigkeit, Zittern und/oder Gleichgewichtsprobleme. Diese motorischen Zeichen treten aber relativ spät im Verlauf der Parkinson-assoziierten Hirnschädigung auf. Die Erkrankung beginnt nämlich schon Jahre, möglicherweise Jahrzehnte früher mit Absterben von Nervenzellen. Sehr wahrscheinlich verhindern in dieser „präklinischen“ Phase ausgesprochen starke Kompensationsmechanismen ein früheres Sichtbarwerden der motorischen Symptome.

Daniela Berg

Daniela Berg

Um früher und somit effektiver therapieren zu können, müssen Menschen, die sich in dieser präklinischen Phase der Parkinsonerkrankung befinden, identifiziert werden. Dies kann aufgrund neuerer Erkenntnisse möglich werden. In den letzten Jahren fanden Wissenschaftler eine Reihe von nicht-motorischen Auffälligkeiten, die der Parkinsonerkrankung Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte, vorausgehen können. Insbesondere wenn diese Auffälligkeiten in Kombination auftreten, ist es wahrscheinlich, dass sie Ausdruck eines bereits bestehenden Parkinson-assoziierten Krankheitsprozesses sind. Beispiele sind u.a. Depression, Störungen der Geruchswahrnehmung und bestimmte Schlafverhaltensstörungen. (Hier sei erwähnt, dass diese Zeichen und Symptome alle sehr häufig sind und isoliert das Risiko für eine Parkinsonerkrankung kaum beeinflussen). Wenn nun aber eine Person im Alter von 50 bis 70 Jahren eine derartige Kombination mehrerer dieser Auffälligkeiten in Verbindung mit diskreten, mit bloßem Auge praktisch nicht erkennbaren motorischen Zeichen aufweist, macht dies die spätere Diagnose Parkinson wahrscheinlich. Es wäre damit also möglich, Hochrisikopersonen für eine im Verlauf der nächsten wenigen Jahre auftretenden Parkinsonerkrankung zu erkennen.

In dieser Studie werden Menschen mit einem derartigen Hochrisikoprofil (d. h. einer Kombination aus nicht-motorischen Auffälligkeiten und ersten nur mittels bestimmter apparativer Bewegungsanalysen (Accelerometern) erkennbaren motorischen Veränderungen) noch genauer untersucht. Hierfür werden Teilnehmer der TREND-Studie (www.trend-studie.de) angefragt. Mittels spezieller Kernspintechniken (strukturelles und funktionelles MRT) welche während spezieller Bewegungsabläufen durchgeführt werden, erwarten wir, die Funktion von Parkinson-assoziierten Kreisläufen im Gehirn darstellen zu können, und damit Hinweise auf (i) sehr früh betroffene Regionen, und (ii) kompensatorische Schaltkreise zu erhalten. Die Untersuchung wird durch eine nuklearmedizinische Darstellung des die motorischen Parkinsonsyndrome verursachen dopaminergen Überträgerstoffsystemes (DATScan®) ergänzt. Diese Studie hat einerseits das Potenzial, die Frühdiagnose von Parkinson zu erleichtern, andererseits birgt sie die Möglichkeit Kompensationsmechanismen des Gehirns in diesem sehr frühen Parkinson-Stadium besser zu verstehen, was einen wichtigen Einfluss auf zukünftige therapeutische Strategien haben kann.