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26 August 2014

Patientenportät – Georg Veranneman

Mein Name ist Georg Veranneman-Watervliet; ich bin geboren am 11.01.1935 in Karlsbad. Kindheit u. Jugendzeit habe ich in Österreich verbracht und in Graz Maschinenbau studiert.
Seit 1958 wohne ich im Raum München und war beruflich als leitender Angestellter einer weltweit tätigen deutschen Aktiengesellschaft tätig.
Sportlich habe ich mich dem Bergsteigen, Skihochtourengehen, Segeln und Fechten gewidmet.
Besonderes Interesse hatte ich an fremden Kulturen, wie das antike Griechenland und die Inuit in Grönland.

Bitte erzählen Sie uns von den ersten Anzeichen Ihrer Parkinson-Krankheit.

Die Krankheit fängt nicht an einem bestimmten Punkt an, sondern schleicht sich langsam ein. Die ersten Anzeichen nimmt man zwar zur Kenntnis, kann sie aber nicht einordnen. Im Rückblick war es eine fast unmerkliche Verzögerung beim Jogging, weil das linke Bein nicht mehr den Rhythmus des rechten mitmachte. Gleichzeitig hörte der linke Arm auf, beim Gehen zu pendeln. 1996 besuchten wir unseren Sohn in New York, der mich längere Zeit nicht gesehen hatte. Ihm fiel mein „komischer Gang“ auf. Einige Monate vorher erlitt ich einen epileptischen Anfall. Ob da ein Zusammenhang besteht, weiß ich nicht – jedenfalls gab es das in meiner Familie vorher nicht.

Wie lange hat es gedauert, bis Sie daraufhin die Diagnose Parkinson erhielten?

Die obigen Ereignisse brachten mich in die Praxis eines Neurologen und im weiteren Verlauf zum Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München. Die endgültige Bestätigung erhielt ich 1999.

Was war Ihre erste Reaktion auf diese Diagnose? Wie sind Sie mit der Diagnose umgegangen?

Da ich durch die Gespräche mit dem erwähnten Neurologen einigermaßen vorbereitet war, hielt sich der Schrecken in Grenzen. Als erstes schoss mir durch den Kopf: Jetzt musst Du alles was möglich ist tun, um in Bewegung zu bleiben. So hielt ich es auch dann. Auf diese Weise blieb mein Zustand 15 Jahre einigermaßen stabil.

Inwiefern hat die Krankheit Ihr Leben verändert?

Es gibt so vieles, was nicht mehr leisten kann! Wegen auffallender Unsicherheiten beim Rad- und Autofahren, gab ich beides auf. Auch das Skifahren fiel der Krankheit zum Opfer. Große Reisen, wie zuletzt im Winter 2013 durch Sibirien und in die Mongolei im Jahre 1996 sind auch endgültig vorbei. Ebenso Skilanglauf: 2013 bin ich noch 20 km im klassischen Stil gelaufen, was heute wegen massiver Gleichgewichtsstörungen nicht mehr möglich ist.

Das dicke Ende kam 2013, wobei es unklar ist, was der Auslöser war. Meine Vermutung ist, dass es die Anästhesie anlässlich einer Augenoperation (grauer Star) war, die in meinem Kopf etwas durcheinander gebracht hat. Dem widersprechen die beteiligten Ärzte (Neurologen, Anästhesisten, Augenärzte). Sie halten es für ausgeschlossen, dass eine derart geringe Dosis eine solche Wirkung haben kann. Meine Beobachtungen sagen, dass mein Zustand von Woche zu Woche schlechter wurde und ich schließlich nur noch an der Hand einer anderen Person gehen konnte. Nach einem halben Jahre wurde es langsam besser, aber dann kam das zweite Auge dran und trotz geänderter Anästhesie passierte dasselbe – in etwas abgeschwächter Form – wieder, d.h. massive Gleichgewichtsprobleme wechselten sich während des ganzen Tages mit lang dauernden Blockaden (freezing) ab und so ist es jetzt, ein halbes Jahr später, immer noch.

Welche Symptome der Krankheit empfinden Sie als besonders einschränkend?

Die Unbeweglichkeit, die Gefahr zu stürzen und das Wissen um das, was früher möglich, jetzt aber unwiederbringlich nicht mehr möglich ist. Besonders störend sind die Gleichgewichtsprobleme, weil man gegen die nicht viel tun kann.

Was außer Medikamenten hilft, Ihre Symptome zu lindern und sich besser zu fühlen?

Zum Glück habe ich eine rührend um mich bemühte Familie, die vieles erträglicher macht. Andererseits belastet es auch, wenn man sieht, dass die Ehefrau an die Grenze ihrer Belastbarkeit stößt. Die Erinnerung an alles Schöne im Leben hilft, und das Betrachten von Filmen von all meinen früheren Reisen und die Fürsorge meiner Familie. Ich habe auch gelernt, dass man durch Hilfe für andere selbst geholfen bekommt. Ich habe einige Jahre als Coach für Hauptschüler gearbeitet und ihnen geholfen, einen Ausbildungsplatz zu finden. Wenn man dabei erfolgreich ist, wirkt das auf einen zurück und ist somit eine Kraftquelle.

Was sind Ihre Ratschläge für andere Patienten und deren Angehörige?

Die Diagnose „Parkinson“ nicht als Todesurteil zu betrachten – im Gegenteil, ruhig offen bekennen und darüber reden, dass man an der Krankheit leidet und im übrigen, auch wenn’s manchmal schwerfällt, das Beste daraus machen – CARPE DIEM (in der freien Übersetzung: Genieße den Tag!). Außerdem empfehle ich soziales Engagement, das gibt Kraft!

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