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22 Juni 2016

Patienten-Interview: Reinhard Deiler aus Hessen

Reinhard Deiler ist seit 18 Jahren Parkinson-Patient:

„Der Erfolg, selbst noch etwas fertig zu bringen, ist sehr wichtig, aufbauend und gibt mir Kraft.“

 

Milchbauer

Reinhard Deiler ist seit 18 Jahren Parkinson-Patient. Der Milchbauer und passionierte Bastler lebt im Kreise seiner Großfamilie auf einem großen Bauernhof inmitten der hessischen Natur. Mit seinen 64 Jahren unterstützt er so gut er kann seinen Sohn im familieneigenen Milchviehbetrieb mit etwa 100 Milchkühen. Er wird im Betrieb immer noch gebraucht, auch wenn seine Zeit nun knapp bemessen ist: „Ich bin durch die Teilnahme an Therapien und Anwendungen zeitlich stark eingeschränkt.“ Wenn es die Zeit und Parkinson zulassen, widmet er sich der Restauration seines Oldtimer- Traktors und fertigt Grippen, Tischen und Bänke aus Holz an.

Akzeptanz

Als er eines Tages Schmerzen und ein Taubheitsgefühl im rechten Arm wahrnahm, führte er dies zunächst auf die schwere körperliche Arbeit bei der Erweiterung des Betriebs zurück. Doch als er am gleichen Abend bei einem Vereinsfest half und Gläser aufgreifen wollte, rührten sich diese nicht vom Fleck. Nun war er alarmiert und suchte einen Orthopäden auf, der ihn zum Neurologen verwies. Dieser hatte sogleich Parkinson in Verdacht, doch Herr Deiler wollte dies nicht wahrhaben. Viele weitere Neurologen wurden konsultiert, bis er schließlich 1½ Jahre später die schreckliche Diagnose akzeptieren konnte. „Mit der Zeit kamen dann die Gewissheit und die Erkenntnis, dass mich Schlimmes eingeholt hat“, so Herr Deiler. „Die Gewissheit und die Machtlosigkeit haben die Lebensqualität nach unten gezogen.“

 

Mut und Kraft Doch

Reinhard Deiler gab nicht auf, sondern stellt sich der Krankheit mit Courage. „Die Erfolge meiner Tätigkeiten und Aktivitäten im Kampf gegen die Krankheit machen mir Mut“, berichtet er über sein Engagement in Vereinen, Fachverbänden und der Führung der regionalen Selbsthilfegruppe. Kraft verleiht ihm seine Familie, allen voran seine Ehefrau, die ihm das Gefühl gibt, gebraucht zu werden: „Meine Familie steht hinter mir, sie lässt mich nicht fallen.“ Auch aus Sport, Spiel, Hobby, Urlaub und gemütlichem Beisammensein mit Familie und Freunden schöpft er Kraft und Freude.

Freundschaft

Freunde sind ein wichtiger Bestandteil in seinem Leben. Die Hilfsbereitschaft, die er von manchen erfahren hat, war ein wunderbares, „lebensbereicherndes“ Geschenk. „Freunde sind so eine Sache für sich. Am Anfang haben sich auch Freunde zurückgezogen, aber damit muss man leben.“ Doch erfreut er sich immer noch eines sehr großen Freundes- und Bekanntenkreises, der sonntagvormittags zum Fahrrad fahren und ab und an zum Bergwandern lädt.

Selbständig und positiv

Hilfe hole ich mir erst im äußersten Notfall, also dann, wenn schon gar nichts mehr geht.“ Diese Selbständigkeit ist für den Landwirt von entscheidender Bedeutung: „Der Erfolg, selbst noch etwas fertig zu bringen, ist sehr wichtig, aufbauend und gibt mir Kraft. Diesen Erfolg will ich nach Möglichkeit nicht aus der Hand geben.“ Für seine Mit-Betroffenen hat er folgenden Ratschlag, den er selbst stets befolgt: „Nicht verkriechen, immer präsent sein, am öffentlichen Leben teilnehmen, zu seiner Krankheit stehen und positiv denken!“

Wünsche

„Wichtig ist, dass man Betroffenen Verständnis entgegenbringt, dass man sie akzeptiert, sie mit einspannt und damit das Gefühl gibt, gebraucht zu werden. Denn sie haben sich die Krankheit nicht selbst ausgesucht“, so Reinhard Deilers Appell an Nicht-Betroffene. So wünschte es sich auch mehr Verständnis für einen „Parkinson-Kollegen“, als dieser bei einem Kneipenbesuch plötzlich unverwandt am Tisch einschlief, was bei Parkinson vorkommen kann. Der Wirt kam an den Tisch gestürmt, rüttelte und schüttelte ihn und schrie: „Schlaf deinen Rausch aus, wo du ihn dir angesoffen hast!“.

Forschung

Durch regen Austausch in der Selbsthilfegruppe hält sich Reinhard Deiler über die Parkinson-Forschung auf dem Laufenden: „Durch die vielseitigen Variationen der Parkinsonerkrankung gibt es immer neue Dinge zu erkennen, die den Betroffenen dann weiterhelfen und die Behandlung maßgeblich vorantreiben und unterstützen können.“ Seiner Meinung nach sind auf dem Gebiet Parkinson noch viele Fragen offen. Für die wichtige Forschung nach Medikamenten, Stammzellenforschung oder im Bereich der Psychologie setzt er – und hofft er – auf das Engagement seiner Mitmenschen: „Da die Zahl der Patienten stetig steigt und niemand wirklich sicher sein kann, diese Krankheit nicht auch zu bekommen, ist es wichtig, die Forschung für die Zukunft voranzutreiben, und dies ist nur durch Unterstützung durch Spendengelder der Allgemeinheit möglich!“

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