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11 Dezember 2019

Manchmal war es wie Weihnachten

Weihnachten steht vor der Tür. Der Wunsch, zu verreisen, um Familie und Freunde zu besuchen, oder eine Tagesfahrt zu unternehmen, um mit dem Partner den prächtigen Weihnachtsmarkt in der nächsten Großstadt zu erleben. Doch mit Parkinson sind Reisen und Tagesfahrten oft eine Herausforderung – die es sich jedoch lohnt, meistern zu lernen.

„Für mich verbindet sich mit Geselligkeit eine ganz bestimmte Vorfreude auf Menschen, bei denen ich mich aufgehoben fühle. Ich denke da an eine Reisegesellschaft, die vor etwa 15 Jahren (das war noch vor der Diagnose Parkinson) entstand und in der es immer ein bisschen familiär zuging. Freundschaften entstanden und manchmal war es wie Weihnachten.“

Parkinson war von Anfang an dabei

„Die Bedeutung, was es mit mir und Parkinson auf sich hat, habe ich damals allmählich begriffen. Parkinson reiste also immer irgendwie mit. Später gestand mir die Reiseleiterin, dass sie mich seinerzeit beobachtet hätte. Ich war höchst erstaunt. Ja, sagte sie, ihr Mann hätte die gleichen Symptome wie ich gehabt, wie mehrmals am Tage einzuschlafen, das sei einer der Vorboten von Parkinson. „Gehabt?“ fragte ich. „Ja, er lebt nicht mehr.“

Sie hat also drei Jahre, bevor die Ärzte es feststellen konnten, quasi die Diagnose über mich gestellt. Die dritte im Bunde unserer Reisegesellschaft, die mit Parkinson zu tun hat, ist eine Zahnärztin. In Pisa klingelte es in ihrer Handtasche. Sie tippte, und die Welt hörte mit: „Wo bist Du jetzt?“ „Ich stehe vor dem Turm.“ „Wie sieht er aus?“ „Schief. Vergiss deine 15-Uhr-Tabletten nicht.“ Ihr Mann konnte wegen Parkinson an Reisen durch Europa nicht teilnehmen. Später erfuhr ich am eigenen Leib, warum.“

Doppelbelastung

„Parkinson im Genick bedeutet immer, einer Doppelbelastung ausgesetzt zu sein. Allein durch die Aktivität des Tremors würde die körperliche Energie durch die Reisesituation in etwa zwei Stunden verbraucht sein. Zur Regenerierung wäre jeweils eine Stunde im Liegen nötig.“

Ohnmacht besiegen

„Heute mache ich Regenerierungs-Pausen, die wesentlich kürzer sind, weil ich aktiv entspanne (ähnlich wie autogenes Training): Ich bringe den Tremor bewusst unter meine Kontrolle und er verschwindet – zumindest vorübergehend. Ab diesem Zeitpunkt, als mir das gelang, und ich den Tremor wiederholbar unter Kontrolle bringen konnte, verschwand meine Ohnmacht. Ohnmacht gegenüber einer Krankheit, die ja, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte, mit mir machte, was sie wollte. Dieses „Ausgesetzt-sein“, diese Hilflosigkeit gegenüber einer Übermacht, das war nun vorbei. Es war ein Sieg.“

Heute nur noch Tagesfahrten

„Heute kann auch ich diese Reisen nicht mehr machen. Aber eine Tagesfahrt, um alle, also die entstandene Familie, zu treffen, die eine nächste Reise besprechen will, wagen wir noch. Die Erwartung auf die Geselligkeit, eigentlich die Planung dafür, stresst natürlich. Es steht immer die Frage, schaffst du das, reicht das aus? Wir haben es gewagt, Freunde halfen uns.“

Strikte Vorbereitung macht es möglich

„Der Ablauf war etwa so: Am Abend vor der Reise wie immer ein warmes Bad. Medikation korrekt einhalten, bei mir also täglich alle vier Stunden. Das gilt natürlich auch während der Reise. Den Zyklus dreimal die Woche ins Sportstudio wie gewohnt beibehalten. Pausen (im Liegen!) bis zum Antritt der Reise unbedingt einhalten. An den kritischen Tagen (also vor, während und nach der Reise) statt 500 mg Magnesium, mindestens 700 mg zu sich nehmen (hilft gegen Krämpfe und Erschöpfung). Schließlich sind Parkinsonpatienten mit ihrem Energieverbrauch durch den Tremor Leistungssportlern gleichzusetzen!

Der Reisetag beginnt – genau wie alle Tage – mit kaltem Wasser, dann trockene Bürstenmassage (ganzer Körper), 15 Minuten Gymnastik, dann Igelball-Massage an den Füßen, danach Reflexzonenmassage an den Füßen, Frühstück wie immer, u.a. Müsli mit rohen Haferflocken, die am Vorabend eingeweicht werden. Die Reise selbst – ganz wichtig: Nicht selber Autofahren! Dieser Tag ohne Pausen und ohne Beschwerden war ein voller Erfolg.“

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