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2 Juni 2020

Heidi Loy: „Ich bin nicht krank, ich habe nur Parkinson!“

PATIENTEN-INTERVIEW MIT HEIDI LOY

Heidi Loy lebt in Mömlingen, einem beschaulichen kleinen Ort am Rande des Odenwalds. Die Diagnose „Parkinson“ erhielt sie 2013. Heute ist sie 63 Jahre alt und schaut der Zukunft positiv entgegen: „Ich freue mich auf jedes Lebensjahr, das ich älter werde!“ Sie stand 45 Jahre ununterbrochen im Berufsleben. Die letzten 35 Berufsjahre arbeitete sie im Büro eines Busunternehmens, bis sie vor zwei Jahren wegen Parkinson in Frührente ging.
 

Beschwerliche Ärzte-Odyssee

Heidi lief fünf Jahre lang „von Pontius zu Pilatus“. Die vielen Ärzte, die sie aufgesucht hatte, erkannten nicht, woran sie litt. Sie erinnert sich: „Was habe ich alles durchgemacht! Ich hatte solche Kreuzschmerzen. Da ich damals noch gearbeitet habe, bin ich nach Feierabend manchmal auf allen vieren die Treppe hinaufgekrochen. Kein Schmerzmittel hat geholfen. Meine Schrift wurde immer kleiner und ich hatte Verdauungsprobleme. Ganz zum Schluss kam das Zittern: Kopf, Beine, Arme, alles zitterte.“

Erlösende Diagnose

Im Januar 2013 suchte sie eine Psychiaterin auf, weil sie unter einer Depression litt. Als sie deren Praxis betrat, begrüßte diese sie mit den Worten: „Ich sehe schon, bei mir sind sie verkehrt. Kommen sie nächsten Dienstag wieder.“ Dienstag war nämlich in der Praxis Parkinson-Sprechstunde. Nach einigen Tests bestätigte ihr ein Arzt: „Sie haben Parkinson“. „Ein Glück!“ dachte sich Heidi. „Endlich weiß ich, was ich habe!“ Sie war sich inzwischen schon wie eine Simulantin vorgekommen. Mit dieser Diagnose jedoch konnte sie umgehen.

Optimal eingestellt

Das Dopamin, das sie nun erhielt, bewirkte, dass ihre Schmerzen schnell verschwanden. Wenn Heidi optimal eingestellt ist, merkt sie kaum, dass sie Parkinson hat. Einmal ließ sie die Medikamente weg, um zu sehen, was passieren würde. Sämtliche Symptome traten innerhalb von 5-6 Stunden wieder auf: „Ich merkte, wie ich in die Depression hineinglitt, wie die Halluzinationen wiederkamen, die Stopp-Störung war wieder da.“ Als sie ihre Medikamente wieder eingenommen hatte, waren die Symptome innerhalb einer Stunde verschwunden.

Hoffnung in die Parkinson-Forschung

Heidi setzt große Hoffnung in die Erforschung der Parkinson-Krankheit: „Es wird ja schon viel gemacht! Für mich persönlich erhoffe ich mir, dass die Forschung es ermöglichen wird, dass es mir mithilfe der Medikamente auch in Zukunft so gut gehen wird, wie jetzt – bis zum Schluss!“

Veränderungen durch Parkinson

Heidi betont immer wieder: „Ich bin nicht krank, ich habe nur Parkinson!“ Denn ist sie gut eingestellt, fühlt sie sich lediglich eingeschränkt durch Muskelverspannungen in Oberschenkeln und Armen, die das Laufen erschweren, Überbeweglichkeit, eine leise Stimme, schlechteres Hörvermögen und Schluckbeschwerden. Letztere bekämpft sie erfolgreich mit Kiefermassage. Auch ihr Schlafbedarf schwankt stark: „Ich höre dann einfach auf meinen Körper.“

Die Erinnerung hilft

Ihr Geschmack- und Geruchsinn ist stark beeinträchtigt. Trotzdem geht Heidi gerne essen, z.B. Spaghetti al olio mit viel Knoblauch: „Ich schmecke und rieche zwar nichts, aber der Erinnerungsgeschmack hat sich eingestellt, und ich esse den Knoblauch quasi im Gedächtnis. Wenn ich etwas esse, sage ich zu mir selbst: ‚Mein Gott ist das gut!‘ – das hilft!“ Was sie noch immer schmeckt sind Butter, Naturquark, Bananen und Milch. Ihr Favorit ist selbst gemachte Bananenmilch. Sie schmeckt auch Südfrüchte wie Mangos, Orangen, Zitronen – diese riecht sie sogar.

Heidis Kraftquellen

Am meisten hilft ihr Massage: „Manchmal schwebe ich regelrecht nach einer Behandlung!“ Zudem treibt sie Sport: 2 x die Woche Physiotherapie, 1 x Kegeln und Reha-Wassergymnastik sowie alle 2 Wochen ein Besuch der Therme, wo die Massagedüsen ihre Muskelverspannungen lindern. „Bewegung ist für mich sehr wichtig – auch, wenn es manchmal natürlich Überwindung kostet.“Seit Kurzem hat sie einen Freund, der ihr sehr guttut und sie liebevoll behandelt: „Es passt einfach zwischen uns.“ Sie fühlt sich sehr wohl in ihrer Heimatstadt, pflegt Kontakte zu Freunden und ist noch immer mit ihrem Mercedes mobil. Sie hält nichts davon, sich über das Fortschreiten ihrer Parkinson-Krankheit zu sorgen: „Was weiß ich, was in 10 Jahren ist? Ich lebe im Heute und jetzt geht es mir gut.“

Die Parkinsonsche Krankheit verhindern oder heilen. Das ist das oberste Ziel des ParkinsonFonds Deutschland. Deshalb finanzieren wir wichtige Forschungsstudien von führenden Ärzten und Wissenschaftlern.
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