Spenden
18 Mai 2026

Richtig handeln bei Parkinson

Prof. Dr. Oertel beantwortet Ihre Fragen

Am 10. Juli 2025 fand das Online-Seminar des ParkinsonFonds Deutschland zum Thema „Früh handeln bei Parkinson“ statt. Im Mittelpunkt standen wichtige Informationen rund um Früherkennung, Ursachen, Genetik und aktuelle Therapieformen der Parkinson-Krankheit.

Ein besonderer Dank gilt allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die durch ihr Interesse und ihre Fragen das Seminar so wertvoll gemacht haben. Einige besonders aufschlussreiche Fragen haben wir hier für Sie dokumentiert.

Bitte beachten Sie im Vorfeld: Die Antworten von Prof. Dr. Oertel spiegeln den aktuellen Stand der Forschung wider. Da er jedoch nicht die individuellen medizinischen Einzelheiten jedes Patienten kennen kann, besprechen Sie bitte sämtliche Änderungen Ihrer Medikation oder Therapie stets mit Ihrem behandelnden Arzt oder Ihrer behandelnden Ärztin.

Frage (anonym): Ich konnte durch viel Bewegung meine Medikation auf ca. 30% reduzieren. Welche Rolle spielt Bewegung?

Antwort von Prof. Dr. Oertel:
Meiner persönlichen Erfahrung nach gibt es diesbezüglich drei Typen von Parkinson-Patienten: Bei der Gruppe 1 führt vermehrte Bewegung zu einer besseren Aufnahme der Medikation im Darm. Dann wirken die Medikamente etwas stärker und Sie können versuchen, die Menge der Medikamente etwas zu verringern. Bewegung wird die Medikamente jedoch nicht ersetzen, wenn die Krankheit manifest ist. In der Gruppe 2 führt mehr Bewegung zu einem höheren Verbrauch der Medikation (wie beim Autofahren, schnelleres Fahren verbraucht mehr Treibstoff). Bei der dritten Gruppe ist es gleichgültig, ob sie sich viel oder wenig bewegen; der Bedarf an Medikation ändert sich durch die Bewegung nicht.

Frage (anonym): Was halten Sie von Stuhltransplantation?

Antwort von Prof. Dr. Oertel:
Es gibt mehr als 1000 Veröffentlichungen über die Stuhltransplantation bei Parkinson-Patienten. Von diesen sind nur sechs so geplant und durchgeführt worden, dass die Daten interpretierbar sind. Es ist nicht klar, bei welchen Parkinson-Patienten es hilft und wie lange und warum. Es laufen derzeit einige Studien, jedoch laut dem aktuellen Wissensstand wird in keiner Studie eine objektive Untersuchung des dopaminergen Systems durchgeführt.

Frage (anonym): Ist das Acetyl-DL-Leucin aus China das gleiche Medikament, das auch in Ihrer Forschung eingesetzt wird?

Antwort von Prof. Dr. Oertel:
Das Pulver aus China enthält die gleiche Wirkstoffmischung wie das in Studien eingesetzte Präparat Tanganil und ist in Deutschland als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen. Allerdings sind die Herstellungsauflagen für Medikamente strenger als für Nahrungsergänzungsmittel.

Frage (anonym): Können Hanftabletten die Symptome von Parkinson lindern?

Antwort von Prof. Dr. Oertel:
In den Hanftabletten, die gepresste Hanfpflanzen-Teile enthalten, kann der Gehalt an Cannabis in solchen Tabletten erheblich schwanken. Die Datenlage über eindeutige Effekte von Cannabis bei Parkinson-Patienten ist schlecht. Es soll bei einigen gegen diffuse Schmerzen helfen, andere nehmen es gegen Angstzustände oder Schlafstörungen, aber es gibt keine guten kontrollierten Untersuchungen.

Frage (anonym): Parkinson und Autofahren: Probleme mit der Motorik, starker Tremor, permanente Müdigkeit – ist Autofahren ratsam?

Antwort von Prof. Dr. Oertel:
Bitte besprechen Sie das Problem mit Ihrem Arzt. Es hat sowohl für Sie als auch für den Arzt eine Bedeutung, wenn Sie müde sind und Autofahren. Vielleicht ändert sich Ihr Zustand, wenn der Arzt die Medikamente etwas umstellt. Weiterhin würde ich eine Fahrstunde bei einer Fahrschule machen, wenn es Ihnen nicht gut geht (siehe oben: motorische Probleme, starker Tremor, permanente Müdigkeit), und den Fahrlehrer fragen, ob er Ihnen zutraut, ungefährdet Auto zu fahren. Diese Fahrstunde ist natürlich keine Fahrprüfung und hat keine rechtliche Bedeutung, hilft aber bei der Einschätzung.

Spontan würde ich sagen, so wie Sie Ihre Beschwerden schildern, würde ich Ihnen dringend raten, auf das Autofahren zu verzichten. Aber bitte besprechen Sie die Situation unbedingt mit Ihrem behandelnden Arzt. Stellen Sie sich vor, jemand anderes verwickelt Sie in einen Unfall. Sie kommen – als Unschuldiger – aus dem Auto vor Langsamkeit nicht heraus, Sie zittern stark. Der Unfallverursacher zückt sein Mobiltelefon und filmt Sie. Und argumentiert später, Sie hätten gar nicht Autofahren dürfen.

Frage (anonym): Wie sehen Sie das Thema Stammzellentherapie mit eigenen Stammzellen an?

Antwort von Prof. Dr. Oertel:
Diese Verfahren befinden sich in einer sehr frühen Anwendung beim Menschen. Was wird getan? Man stellt aus zum Beispiel Ihren eigenen Hautzellen Gehirnzellen her, die Dopamin herstellen können. Diese Zellen werden dann in eine einzige Region des Gehirns injiziert. Nach allem, was bekannt ist, wird zwar dadurch das Dopamin in dieser Region erhöht werden, aber der Verlauf der Krankheit an sich wird sich dadurch nicht verändern.

Frage (anonym): Es gibt Studien, die ketogene Ernährung als positiv bei Parkinson sehen. Gilt das auch präventiv oder nur bei akuter Erkrankung?

Antwort von Prof. Dr. Oertel:
Das ist ein sehr kompliziertes Thema. Es gibt keine Studien im Vorstadium der Parkinson-Krankheit, also auch keine Studien zur Prävention. Mittlerweile gibt es eine Studie mit einer modifizierten ketogenen Diät, weil die Standard-Variante in einigen Fällen zu einer Verschlechterung führte. Die Daten sind leider nicht so eindeutig und die Qualität dieser Studie ist mittelmäßig – also eher nicht sehr aussagekräftig. Hier ist eine sehr aufwendige und sorgfältige Studie erforderlich.

Frage (anonym): Welche Auswirkung hat die Einnahme von Creatin?

Antwort von Prof. Dr. Oertel:
Hierfür gibt es so gut wie keine guten Studien. Wenn Creatin oder Kreatinin helfen würde, wäre diese Tatsache höchstwahrscheinlich längst bekannt.

_________

Kurz & knapp nachgefragt

Frage: Kann ein extrem hoher Blutdruck, der über Jahre ignoriert wurde und das Gehirn geschädigt hat, eine Parkinson-Erkrankung auslösen?

Antwort: Ein solcher Zusammenhang ist mir nicht bekannt.

Frage: Können Calciumchannelblocker Parkinson auslösen?

Antwort: Ja, insbesondere Flunarizin kann ein reversibles Parkinson Syndrom auslösen.

Frage: Haben alle an Parkinson erkrankte Personen hohe Homocystein-Werte?

Antwort: Das ist mir nicht bekannt. Nicht alle Parkinson-Patienten haben hohe Homocystein-Werte.

Frage: Was halten Sie von hochdosiertem Vitamin B1?

Antwort: Es gibt zu wenig gute Studien damit man die Wirkung von hochdosiertem Vitamin B1 beurteilen kann.

_________

Der Kampf gegen Parkinson ist noch lange nicht gewonnen.

Gemeinsam können wir mehr erreichen.

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende – denn nur so können wir Forschung vorantreiben, Betroffene begleiten und langfristig neue Perspektiven schaffen.

Jetzt spenden

Diesen Artikel teilen