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Titel der Studie:
Die Bedeutung von Parkin für die NMDA-vermittelte Exzitotoxizität
Von:
Dr. Anne Söhn, Abteilung für Medizinische Genetik Eberhard Karls Universität, Tübingen
Abstract:
Glutamat-Exzitotoxizität ist ein toxischer Prozess, bei dem Neuronen durch Übererregung von Glutamatrezeptoren geschädigt werden. Diesem Prozess wird auch eine potenzielle Bedeutung für den Verlust dopaminerger Neurone beim Morbus Parkinson zugeschrieben (Beal, 1998; Jenner und Olanow, 2006). Parkin, ein zentrales Protein in der Pathogenese des Morbus Parkinson, konnte ebenfalls mit diesem Prozess in Verbindung gebracht werden, indem gezeigt werden konnte, dass es postmitotische Neuronen vor Exzitotoxizität durch Kainat, einem Glutamat-Agonisten, schützt (Staropoli et al., 2003) und indem es in einem großen multimeren Komplex mit der NMDAR2B-Untereinheit von NMDA-Rezeptoren, einem Subtyp von Glutamatrezeptoren, nachgewiesen wurde (Fallon et al., 2002).
Mit Hilfe von Co-Immunopräzipitationen mit diversen Kandidatenproteinen konnten wir eine Interaktion zwischen Parkin und der NMDAR2B-Untereinheit zeigen, bei der es sich sehr wahrscheinlich um eine direkte Interaktion zwischen beiden Proteinen handelt. Im vorliegenden Projekt soll die Art dieser Interaktion näher untersucht werden, ebenso wie die funktionelle Relevanz einer direkten oder indirekten Interaktion der beiden Proteine. Speziell soll getestet werden, ob die NMDAR2B-Untereinheit ein Substrat der E3-Ligase-Aktivität von Parkin ist, ob also eine Ubiquitinierung vermittelt durch Parkin stattfindet. Ferner soll untersucht werden, ob Parkin die Expression der NMDAR2B-Untereinheiten, ihre subzelluläre Expression bzw. ihre Oberflächenexpression beeinflusst. Dazu werden subzelluläre Fraktionierungen und Immunfluoreszenzfärbungen an primären Neuronenkulturen von Parkin-Knockout-Mäusen im Vergleich zu Wildtypneuronen durchgeführt. Downstream-Effekte der untersuchten Beziehungen zwischen Parkin und NMDA-Rezeptoren, wie beispielsweise ein veränderter Calcium-Einfluss über NMDA-Rezeptoren oder eine veränderte Sensitivität gegenüber Glutamat-Exzitotoxizität in Abwesenheit von Parkin werden Gegenstand zukünftiger Untersuchungen sei1n. Das Verständnis einer potenziellen funktionellen Interaktion zwischen Parkin und NMDA-Rezeptoren ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung neuer Therapieoptionen. Eine Intervention auf Ebene der NMDA-Rezeptoren wäre dabei nicht nur für Patienten mit Mutationen im Parkin-Gen, die zu einer häufigen, rezessiv vererbten Form des Morbus Parkinson führen, vielversprechend, sondern auch für die weit häufigeren sporadischen Formen der Erkrankung, da in den Gehirnen von Patienten mit sporadischem Morbus Parkinson eine chemische Modifikation von Parkin (S-Nitrosylierung) nachgewiesen wurde, die ebenfalls die E3-Ligase-Aktivität von Parkin und seine protektiven Eigenschaften beeinträchtigt (Chung et al., 2004; Yao et al., 2004).
In vergleichbarer Weise beeinflusst auch die Phosphorylierung von Parkin seine funktionellen Eigenschaften. Es ist daher vorstellbar, dass posttranslationale Modifikationen des Parkin-Proteins bei sporadischen Parkinson-Patienten auch mit dem noch näher zu definierenden physiologischen Einfluss von Parkin auf die NMDA-Rezeptor-Funktion und -Lokalisation interferieren und so möglicherweise zu einer verstärkten Exzitotoxizität beitragen. Dies würde wiederum eine weitere S-Nitrosylierung von Parkin begünstigen, da durch die Aktivierung der neuronalen NO-Synthase (nNOS) eine Überproduktion von NO stattfinden würde (Nakamura und Lipton, 2008). Medikamente, die in diese positive Verstärkungsschleife eingreifen, sind daher dringend erforderlich, setzen jedoch die Kenntnis des zugrundeliegenden pathogenetischen Prozesses voraus.
Literatur:
Beal, M. F., 1998. Excitotoxicity and nitric oxide in Parkinson's disease pathogenesis. Ann Neurol. 44, S110-4. Chung, K. K., et al., 2004. S-nitrosylation of parkin regulates ubiquitination and compromises parkin's protective function. Science. 304, 1328-31. d'Azzo, A., et al., 2005. E3 ubiquitin ligases as regulators of membrane protein trafficking and degradation. Traffic. 6, 429-41. Fallon, L., et al., 2002. Parkin and CASK/LIN-2 associate via a PDZ-mediated interaction and are co-localized in lipid rafts and postsynaptic densities in brain. J Biol Chem. 277, 486-91. Fan, M. M., et al., 2007. Altered NMDA receptor trafficking in a yeast artificial chromosome transgenic mouse model of Huntington's disease. J Neurosci. 27, 3768-79. Imai, Y., et al., 2002. CHIP is associated with Parkin, a gene responsible for familial Parkinson's disease, and enhances its ubiquitin ligase activity. Mol Cell. 10, 55-67. Jenner, P., Olanow, C. W., 2006. The pathogenesis of cell death in Parkinson's disease. Neurology. 66, S24-36. Jo, K., et al., 1999. Characterization of MALS/Velis-1, -2, and -3: a family of mammalian LIN-7 homologs enriched at brain synapses in association with the postsynaptic density-95/NMDA receptor postsynaptic complex. J Neurosci. 19, 4189-99. Nakamura, T., Lipton, S. A., 2008. Emerging roles of S-nitrosylation in protein misfolding and neurodegenerative diseases. Antioxid Redox Signal. 10, 87-101. Staropoli, J. F., et al., 2003. Parkin is a component of an SCF-like ubiquitin ligase complex and protects postmitotic neurons from kainate excitotoxicity. Neuron. 37, 735-49. Strous, G. J., Govers, R., 1999. The ubiquitin-proteasome system and endocytosis. J Cell Sci. 112 ( Pt 10), 1417-23. Yao, D., et al., 2004. Nitrosative stress linked to sporadic Parkinson's disease: S-nitrosylation of parkin regulates its E3 ubiquitin ligase activity. Proc Natl Acad Sci U S A. 101, 10810-4. Zhang, Y., et al., 2000. Parkin functions as an E2-dependent ubiquitin- protein ligase and promotes the degradation of the synaptic vesicle-associated protein, CDCrel-1. Proc Natl Acad Sci U S A. 97, 13354-9.
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